Die Glocken läuten!

Liebe Gemeindeglieder, liebe Schwestern und Brüder,
es ist Montag, der 23.03.2020. Normalerweise würde ich die Andacht für unsere Kirchennachrichten nicht datieren, aber heute muss ich es wohl. In der vergangenen Woche haben wir die Konfirmation verschoben und wir wissen, dass wir keine gemeinsamen Ostergottesdienste feiern werden. Es wäre mein erstes Ostern mit Ihnen gewesen  –  das tut mir wirklich weh. Außerdem gilt seit gestern Abend das Kontaktverbot. Es ist eine wichtige und eine gute Entscheidung, aber doch macht es mich ratlos. Gerade in solchen Zeiten, will ich mich doch nicht von anderen fernhalten. Im Gegenteil, ich will Sie gern zum Geburtstag  besuchen, ich will mit Ihnen Bibel- und Konfistunden gestalten. Eigentlich müssten wir uns doch treffen, um uns gegenseitig zu unterstützen, um uns einmal tröstend und beruhigend die Hand zu drücken und miteinander zu beten. All das ist uns untersagt – zu unserer eigenen Sicherheit.
Wir sollten uns daran halten. Aber wir sollten trotzdem nicht dort stehenbleiben. Ich weiß nicht, in welcher Situation wir uns befinden, wenn Sie diese Zeilen lesen. Vieles können wir jetzt noch nicht wissen. Wir wissen nicht, wann wir wieder in die Kirche einladen dürfen. Wir wissen nicht, wann wir uns ganz real wiedersehen werden. Vieles ist ungewiss. Aber eines ist sicher: Die Glocken werden läuten.
Nicht nur sonntags, sondern Tag für Tag läuten unsere Glocken. So ist es seit Jahrhunderten und so wird es auch in diesen Tagen und Wochen sein. Zu einer Zeit, als Menschen noch keine Uhren hatten, teilte das Glockenläuten ihren Alltag ein. Genauer gesagt, es unterbrach ihren Alltag. Mitten in der Feldarbeit drang das Glockenläuten und lud dazu ein, die Harke niederzulegen, innezuhalten und zu beten. Die Glocken wollten den Alltag, der von Arbeit geprägt war, in gutem Maße unterbrechen und zum Gebet rufen.
Was auch immer uns in diesem April und Mai begegnen wird, wie auch immer diese schwierige Pandemie unser Leben  weiter beeinflussen wird: Lauschen Sie auf die Glocken. Lassen Sie sich rausreißen aus dem Trott zu Hause. Lassen Sie sich unterbrechen in den Sor gen um Ihre Existenz. Blicken Sie kurz auf aus Ihrer Einsamkeit. Atmen Sie kurz durch, die Sie Ihre Kinder zu Hause betreuen – neben dem homeoffice – neben der sonstigen Hausarbeit.
Wenn wir die Glocken hören, lassen Sie uns kurz innehalten, durchatmen, aufblicken, dann die Augen schließen und zu unserem Gott beten. Er hält unser Leben in seiner Hand – in guten und in schweren Tagen. Er hat sein Leben für uns gegeben – das bedenken wir in diesen Tagen. Wieviel müssen wir ihm wert sein! Er hat den Tod für uns besiegt – das feiern wir in diesen Tagen. Wieviel Dank schulden wir ihm! Er selbst ist Mensch geworden –  er weiß, wie es uns Menschen ergeht, wenn unsere Lieben krank werden, wenn wir selbst allein zu Hause sitzen, wenn wir angewiesen sind, auf die Hilfe und Freundlichkeit anderer.
Gott hat so viel für uns getan, damit wir würdig sind, ihm zu begegnen. Er selbst, bringt uns in die Position, mit ihm zu reden, ihm zu klagen, ihm auch einmal zu danken und auch einmal mit ihm zu verhandeln und zu streiten, wie wir es einige Male bei mutigen Gläubigen in der Bibel lesen. Gott will, dass wir uns an ihn wenden! Mit den Glocken rufen wir zum Gebet. Gott selbst fordert uns auf: Legt eure Arbeit und eure Sorgen nieder! Blickt auf zu mir! Redet mit mir! Ich will euch erhören!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben, den Familien und denen, die diese Wochen allein zu Hause verbringen, Gottes Segen. Es behüte und bewahre Sie der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Herzliche Grüße Ihre Pfarrerin Claudia Matthes



„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)
Zschopau, den 18.03.2020
Liebe Gemeindeglieder,    

es tut mir persönlich weh, einen Gottesdienst abzusagen – Sie quasi aus dem Haus Gottes auszuladen. Und bis Mitte letzter Woche hätte ich auch nicht ein Beispiel nennen können, das uns dazu zwingen würde. Im Gegenteil, ich war immer der Überzeugung, dass es in schwierigen Situationen umso wichtiger ist, die Kirchentüren aufzuschließen und zum gemeinsamen Gebet, Singen und Hören auf Gottes Wort einzuladen. Aber Vernunft und Nächstenliebe haben uns zu diesem Schritt gezwungen. (Glauben Sie mir, dass wir diese Entscheidung bis zum letzten Moment hinausgezögert haben.)

Als Erstes möchte ich Ihnen versichern: Die Kirchentüren werden offen bleiben. Am Sonntagmorgen und hoffentlich auch zu anderen Zeiten werden wir einladen, in die Kirche zu kommen. Wir können Sie nur nicht zum gemeinsamen Gottesdienst einladen.

Als Zweites möchte ich Sie ermuntern, gerade in diesen Zeiten, zu Hause allein oder in kleiner familiärer Runde Andacht zu halten, Gottes Wort zu lesen, zu beten und gern auch zu singen. Es gibt in unserer Kirche keine „Mindestanzahl“, die gegeben sein müsste, um mit unserem HERRN in Kontakt zu treten. Unser Gott hat sein Wichtigstes für jeden einzelnen von uns gegeben – seinen Sohn. In der Taufe nimmt er uns selbst als seine Kinder an. Darin sind wir würdig und aufgerufen, das Gespräch mit unserem himmlischen Vater nicht abbrechen zu lassen, sondern uns in diesen Tagen umso hartnäckiger an IHN zu wenden: Danken wir IHM, für all die Momente, in denen er uns bis heute bewahrt hat! Preisen wir IHN für all das Gute, was er uns täglich erweist. Aber legen wir IHM auch ganz ehrlich vor SEINE Füße, was uns in diesen Tagen bewegt, was uns Angst macht und uns unruhig auf die nächsten Tage und Wochen blicken lässt. Und bitten wir IHN um Bewahrung – für uns selbst, für unsere Angehörigen und für die vielen, die nun in besonderer Weise Verantwortung tragen, zum Beispiel in den Krankenhäusern, in der Regierung und an so vielen anderen Stellen.

Wir haben viele Möglichkeiten Tag für Tag und Sonntag für Sonntag unserem HERRN zu begegnen. Viele von Ihnen lesen täglich die Losung. Andere halten Stille Zeit nach der fortlaufenden Bibellese. Wieder andere treffen sich zu Gebetsgemeinschaften – ob ganz real oder virtuell. Ich lade Sie ein zu den Fernsehgottesdiensten, die auch weiterhin stattfinden werden. Sie sind eine Chance, Gottes Wort zu hören und Gemeinschaft im Glauben zu leben, wenn wir nicht in der Kirche zum Gottesdienst zusammen kommen können. Außerdem werde ich Ihnen auf der website unserer Kirchgemeinde für die kommenden Sonntage eine Vorlage für eine Hausandacht zur Verfügung stellen. Diese können Sie auch vorab im Pfarramt erhalten.

Als Letztes möchte ich Ihnen zwei Dinge versichern:
1. Wir bleiben für Sie erreichbar, mindestens telefonisch. Überhaupt möchte ich Sie ermuntern Wege zu finden, miteinander in Kontakt zu bleiben. Das Virus lässt es ratsam erscheinen, unsere alte Nachbarin nicht mehr direkt zu besuchen. Aber es wird uns nicht daran hindern, Sie anzurufen!
2. Die Verheißungen unseres Gottes gelten für alle Zeiten und wanken nicht, unabhängig davon, was wir gerade erleben. Zwei Worte unseres HERRN Jesus Christus gehen mir in diesen Tagen besonders nach.

Jesus Christus spricht:
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)

„Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.“ (Lk 21,33)

Wir befinden uns in der Passionszeit – es ist eine besondere Passionszeit in diesem Jahr. Doch vergessen wir nicht aufzublicken von unserem Leid und uns zu erinnern an das Leid, das Jesus Christus auf sich genommen hat, um uns das Leben erst zu ermöglichen.  Vertrauen wir auf die Zusagen des HERRN, der für uns nach Golgatha gegangen ist!

Es segne und behüte Sie und Ihre Familien und Freunde
der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.


Herzliche Grüße
Ihre Pfarrerin Claudia Matthes